BJS-Projekt zum Thema Fake-News

Informationen aus dem Internet überprüfen: Damit beschäftigten sich Schüler und Studenten aus Deutschland und geflüchteten Familien bei unserem Projekt am ehemaligen Flughafen Tempelhof. Wird ein Foto manipulativ benutzt? Wer steckt hinter fragwürdigen News? Wie kann man versuchen, das herauszufinden? Dazu findet ihr hier auch einen ergänzenden Leitfaden von BJS und dem Journalisten Marcus Lindemann. Das Projekt ermöglicht hat die Unterstützung der Robert Bosch Stiftung GmbH, der Berliner Landeszentrale für politische Bildung und des Berliner Schulcaterers Luna. Medienpartner waren der Tagesspiegel und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb).

News oder Fake – Zum Umgang mit Infos aus dem Netz

 

                                Ein Leitfaden der BJS Berliner Journalistenschule

 

Wie erkennt man, ob eine Information richtig oder falsch ist, real news oder fake news? Ob etwas dran ist an einer empörenden oder sensationellen Story – oder nicht? Diese Frage stellt sich häufig beim Umgang mit Social Media.  Nachrichten aus klassischen Medien (Zeitungen/Zeitschriften/Radio/Fernsehen und deren Onlineportale) sind in der Regel wahr. Die dahinter stehenden Medienhäuser sind bekannt und stehen mit ihrem Ruf grundsätzlich für saubere handwerliche Arbeit ihrer Redaktionen. Fehler kommen auch bei den Profis immer wieder vor, werden aber schnell korrigiert.

 

Bei Social Media (Instagramm,Twitter/Facebook usw) dagegen ist die Lage unübersichtlicher. 

 

Der vorliegende Leitfaden beruht auf einem Workshop der BJS Berliner Journalistenschule. Dabei haben die Journalisten Marcus Lindemann, Franzi von Kempis, Matthias Hörz und Albrecht Ude mit einer Gruppe von Schülern den kritischen Umgang mit Informationen aus dem Netz trainiert. Den dabei entstandenen Erklärfilm findet ihr hier: https://www.berliner-journalisten-schule.de/bjs-projekte/fake-news-oder-real-news-ein-workshop/  .  Mit diesem ergänzenden, für die BJS  von Marcus Lindemann zusammengestellten  Leitfaden lassen sich die erklärten Abläufe in Übungen nachvollziehen.

 

 

Überprüfen von Informationen aus dem Netz

 

Informationen lassen sich auf verschiedene Wege überprüfen. Hier stellen wir die wichtigsten Möglichkeiten vor, die alle Personen – auch Nicht-Journalisten – nutzen können.

 

I. Erster Eindruck – worauf sollte man achten?

 

II. Überprüfen der Absender: Wie sind die Websites und/oder Social Media-Accounts zu bewerten, die die Nachricht in Umlauf gebracht haben?

 

III. Überprüfung der sogenannten Metadaten, insbesondere Informationen zu Fotos.

 

IV. Überprüfung der Tatsachenbehauptung – Factchecking. Was ist dran an den Informationen?

 

 

1. Erster Eindruck – worauf man achten sollte

 

a. Wie ist es um die Rechtschreibung bestellt? Viele Fake-Accounts bzw falsche Meldungen zeichnen sich durch eine erhebliche Zahl von Rechtschreibfehlern aus.

 

b. Wirkt das Design professionell - oder eher schlampig? Auch dies ist ein Grund für besonderes Misstrauen.

 

c. Ist die aufsehenerregende Nachricht die erste/einzige News überhaupt auf der Seite?

 

d. Bemüht sich der Autor um eine einigermaßen objektive, ausgewogene Darstellung des Themas? Oder versucht er den Eindruck zu erwecken, nur er kenne die Wahrheit, alle anderen seien inkompetent oder würden lügen? Dann ist erhöhte Vorsicht angebracht. Kommt derjenige, der kritisiert wird (Personen, Firmen, Institutionen), zu Wort?

 

e. Bei überraschend sensationellen Meldungen unbekannter Medien lohnt es sich zu googeln, ob es das Medium überhaupt gibt und ob andere Medien diese Meldung auch haben. Im US-Wahlkampf machte eine Meldung zu Hillary Clinton und den E-Mail-Leaks die Runde, verbreitet vom „Denver Guardian“. Den allerdings gibt es gar nicht.  (www.denverpost.com/2016/11/05/there-is-no-such-thing-as-the-denver-guardian/)

 

Hinweis: Zu vielen Fake-News haben bereits Medien recherchiert, beispielsweise www.bildblog.de, www.mimikama.at oder http://hoaxmap.org.  Kommt euch eine Nachricht fragwürdig vor, lohnt sich immer ein Check dieser zuverlässigen Seiten.  

 

2. Impressum

 

Jede Webseite muss ein Impressum haben, aus dem ersichtlich wird, wer für die Webseite verantwortlich ist. In der Regel steht es ganz oben oder ganz unten auf der Seite. Daher gilt es zuerst zu prüfen: Hat die Seite ein Impressum? Wenn nicht: Finger weg. Wenn ja, lohnt es sich, den eingegebenen Namen zu googlen: Wo taucht der Name sonst noch auf? In welchem Zusammenhang? Gehört er vielleicht auch zu eindeutig fragwürdigen Webseiten? Oder taucht er in anderen, seriösen Zusammenhängen auf?

 

Achtung: Wer in böser Absicht eine Website online stellt, wird auch im Impressum lügen. Daher ist es ratsam, im Zweifelsfall auch die so genannten Whois-Daten (siehe unten) anzuschauen.

 

Später bietet es sich eventuell an, den/die Namen aus dem Impressum mit den Daten zu vergleichen, die für diese Webseite bei der Registrierungsstelle für die Webseite angegeben worden sind (siehe unten).

 

 

3. Bewertungen der Seite

 

Wer verlinkt auf die Seite? Dies checkt ihr mit der Eingabe: link: (Und dann ohne Zwischenraum die url der fraglichen Seite eingeben) Bei der Eingabe:  link:www.berliner-journalisten-schule.de zeigt sich, dass unter anderem der Deutsche Journalistenverband und der Tagesspiegel auf diese Webseite verweisen, ebenso die Henri-Nannen-Journalistenschule aus Hamburg. Das macht die BJS-Seite glaubwürdig. Tauchen bei einer Webseite stattdessen nur „schräge“ oder nichtssagende Namen auf, ist erhöhte Vorsicht angebracht. Aufgrund technischer Veränderungen funktioniert diese Suche allerdings nicht mehr bei allen Webseiten.

 

Finde ich  Bewertungen durch Dritte? (Die Google-Suche hierfür lautet: untersuchtewebsite.de    -site:untersuchtewebsite.de. Damit findet ihr Treffer über die Site, aber ohne Treffer von der site, Bsp: amazon.de -site:amazon.de]]Wie fallen sie aus? Auch hier beachten: Sind sie sprachlich überzeugend? Ähneln sich die Aussagen auffallend? Dann könnte es sinnvoll sein, die Namen mehrerer Kommentatoren gleichzeitig zu googeln. Eventuell zeigt sich dabei, dass diese Personen häufig auf denselben Seiten auftauchen.

 

 

4. Die Vergangenheit der Seite überprüfen

 

Wie sah die Website früher aus? Was wurde dort veröffentlicht?

Das lässt sich über www.archive.org checken, einem sehr umfassenden internationalen Internetarchiv. Dort werden mehrere hundert Milliarden Kopien von Webseiten gespeichert, die in der Vergangenheit von Robotern gemacht wurden. In die Suchmaske gibt man z.B. www.berliner-journalisten-schule.de ein und sucht. Dann erscheint in der Mitte eine Grafik, aus der ersehbar ist, wie oft Kopien von der Seite gemacht worden sind. Klickt auf irgendeinen der schwarzen Punkte/Streifen, z.B. 2013. Dann ist weiter unten ein Kalender zu sehen, auf dem bestimmte Daten gefärbt sind. An diesen Daten wurde die Seite kopiert. Klickt man dort beispielsweise auf ein Datum im März sieht man, wie die BJS-Webseite damals ausgesehen hat.

Bei fragwürdigen Seiten kann sich beispielsweise zeigen, dass eine Seite mit heute unklarem Inhalt früher sehr radikale Texte veröffentlicht hat.

 

5. Inhalt

 

Wie seriös und professionell wirkt der Inhalt?

 

Gibt der Autor für seine Informationen Quellen an? Studien, Agenturen wie dpa oder Reuters? Oder bleibt die Herkunft der Infos im Dunkeln?

 

Kommen kritiserte Personen – wie es bei seriösen Medien die Regel ist - fair und umfassend zu Wort?

 

Lassen sich die auf der Seite verbreiteten Informationen durch eine Recherche im Netz bei seriösen Quellen (bekannte Tageszeitungen/ Sender/ Institute) bestätigen? Oder lassen sich zu dem Thema ganz andere Aussagen finden? Über Google bekommt man hier einen recht guten Überblick.

 

Wird das Thema weitgehend objektiv behandelt, oder sehr einseitig? Dann, siehe oben: Vorsicht.

 

Auf Twitter oder Facebook lassen sich Überschriften von Artikeln leicht verfälschen. Ob eine Zeile wirklich über dem Artikel steht, sieht man erst, wenn man ihn anklickt. Also: Nie dem ersten Augenblick und der sofort sichtbaren Überschrift trauen. Bevor man eine Geschichte glaubt oder gar shared, gilt es, immer den Artikel anzuklicken und das Original zu lesen.

 

Lassen sich die Informationen auf Seiten finden, die ähnlich ausgerichtet sind? Das findet ihr heraus, indem ihr im Google-Suchfeld eingebt: Related:die fragliche Webseite. Also zum Beispiel: related:bildblog.de. Dann werden euch Seiten und Medien gezeigt, die grundsätzlich ähnliche Inhalte haben wie Bildblog. Gebt ihr eine Webseite ein, die fragwürdige Informationen verbreitet, dann könnt ihr bei den Medien, die ihr über den related-Befehl angezeigt bekommt, prüfen, ob dort vergleichbare Informationen stehen.

 

6. Registrierungsdaten der Webseite überprüfen

 

Wer steckt hinter einer Website?

 

Für eine noch tiefere Überprüfung einer Website lassen sich deren offizielle Registrierungsdaten überprüfen. Dies geht für deutsche Seiten zum Beispiel sehr gut über www.denic.de, die offizielle Registratur deutscher Seiten. Dort könnt ihr eine url eingeben und erfahrt, wer eine Seite besitzt, wer Administrator und/oder Verwalter ist. Ihr könnt dies mal probieren mit der Website der bsjk Berliner Schule für Journalismus & Kommunikation GmbH. Findet die url heraus, gebt sie ein und checked, wer dahintersteckt.

 

Für internationale Seiten bietet sich eine Suche über www.domaintools.com oder who.is an. Dort gebt ihr im Suchfeld unter „Whois Lookup“ die fragliche url ein und bekommt ebenfalls Daten über Verwalter, Server und Administrator.

 

Sehr oft wird schnell klar sein, dass eine Seite in Ordnung ist. In Zweifelsfällen bietet es sich aber an, die gefundenen Namen zu googlen und zu schauen, wo sie sonst noch aktiv sind oder mit wem sie Kontakt (Foren/Gruppen) haben.

 

Es gibt auch Tools, mit denen ihr herausfinden könnt, welche Domains eine Person noch hat. Diese sind aber, wie etwa http://reversewhois.domaintools.com, kostenpflichtig.

 

Ein klassischer und einfacher Rechercheablauf (der sich auf alle Webseiten übertragen lässt) wäre zum Beispiel:

 

Ihr habt einen Bericht aus der Berliner Morgenpost, die ihr – für das Beispiel einmal angenommen – nicht kennt. Daher möchtet ihr wissen, wer dahintersteckt. Im Impressum steht: Berliner Morgenpost GmbH. War sie das auch schon früher? Um das zu klären, nutzt ihr archive.org und geht z.B. 10 Jahre zurück. Bei manchen Daten sind die Angaben zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht abrufbar, dann sucht ihr euch einen anderen Zeitpunkt.

 

In diesem Fall stoßt ihr darauf, dass die Berliner Morgenpost früher dem Ullstein-Verlag gehörte. Die Berliner Morgenpost GmbH hat das Blatt also übernommen. Aber: Steht diese Firma alleine da oder gehört sie wiederum einem größeren Unternehmen? Wenn ihr die url „www.morgenpost.de“ bei denic.de eingebt, stoßt ihr auf den Namen „Funke“ als Besitzer der Domain.  Jetzt könnt ihr googlen, wer FUNKE im Bereich MEDIEN ist – und damit, wer hinter der Berliner Morgenpost steht.

 

Diesen speziellen Fall hättet ihr aufgrund der Prominenz der Betroffenen auch einfach googeln können. Bei vielen Webseiten, die im Netz Informationen verbreiten, geht das aber nicht. Dann hilft der oben exemplarisch dargestellte Rechercheablauf ein Stück weiter.

 

7. Social Media Accounts

 

Hier bietet es sich an, auf folgende Punkte zu achten:

 

a. Postet der Autor einer Meldung regelmäßig auf Twitter? Und wenn ja, was? Oder handelt es sich bei der sensationellen Info um seinen ersten Post?  Dann ist der Account möglicherweise nur für die Verbreitung der fragwürdigen Info eingrichtet worden und damit mit äußerster Vorsicht zu genießen.

 

b. Verifizierte Accounts bei Twitter oder Facebook sind SICHER verifiziert. Sie können zwar gehackt werden, sodass – wenn die Angaben übernommen und weiterverbreitet werden sollen - ein Gegencheck der Informationen bei seriösen Quellen (siehe oben) nötig ist. In der Regel kann man hier aber davon ausgehen, dass wirklich derjenige schreibt, der offiziell als Accountbesitzer fungiert.

 

c. Manche Verbreiter falscher Informationen nennen ihre Accounts so ähnlich wie jene prominenter  Politiker oder anderer Akteure. Darum ist es wichtig, sich den Namen eines Accounts genau anzusehen.

 

d. Wer verlinkt auf den Account? Sind es seriöse Quellen wie Stiftungen, bekannte Unternehmen, Universitäten, bekannte Medien usw.? Oder sind es unseriös wirkende Seiten mit Namen wie „Der Germane“ oder „Der Lügenaufdecker“?

 

8. Fotos überprüfen:

 

Fotos werden häufig in falschen Zusammenhängen ins Netz gestellt. Ein erster Schritt bei fragwürdigen Bildern ist die Rückwärtssuche über google (https://www.google.com/imghp) oder über TinEye. Dabei öffnet ihr etwa die google-Bildersuche und klickt dort auf das rechts befindliche Kamerasymbol. In die nun erscheinende Suchmaske zieht ihr das Bild  bzw ihr gebt die Bild-url  ein, z.B:  https://pbs.twimg.com/profile_images/573061010887606273/kBVuZzMw.jpeg

 

Dann seht ihr, wo überall der Journalist und Dozent Marcus Lindemann das Bild eingesetzt hat – und wo er sich überall engagiert. Ihr könnt das auch mit euren eigenen Profilbildern probieren.

 

In diesem Video (https://www.youtube.com/watch?v=4TOo11Igdsk ) von Franzi von Kempis  seht ihr Beispiele dafür, wie Bilder manipulativ eingesetzt werden – und wie man das erkennen kann.  

 

Metadaten

 

Metadaten sind Daten, die Informationen über andere Daten enthalten.  Sie zeigen beispielsweise bei pdf: Eigenschaften, den Namen des Computers, an dem die pdf erstellt worden ist, die Initialen des Verfassers usw. Daran kommt ihr, wenn ihr die pdf öffnet und dann unter Datei auf „Eigenschaften“ klickt.

 

Metadaten sind in nahezu allen Dateien vorhanden. Auch in Fotos. Dort zeigen sie das Datum und die Uhrzeit der Aufnahme, häufig auch die GPS-Daten, sie verraten den Kameratyp und möglicherweise noch zusätzliche Textinformationen. Sie helfen also dabei festzustellen, ob ein Foto wirklich zum angegebenen Zeitpunkt am behaupteten Ort gemacht worden ist – oder nicht. 

 

Wie kann man Meta-Daten von Fotos sichtbar machen?

 

Dafür gibt es viele Tools. Zuverlässig und einfach ist: http://regex.info/exif.cqi

Hier könnt ihr ein Bild in die Suchmaske hochladen und bekommt dann die Metadaten gezeigt.

Das Aufnahmedatum und der Aufnahmeort sind die wichtigsten Je nach Bild kann man hier auch mal leer ausgehen. Aber ein Versuch lohnt sich.

 

Bei solchen Überprüfungen ist manchmal etwas Detektivarbeit gefragt. Hier einige Beispiel auf der Seite:  http://recherche-info.de/handouts-recherche-kann-man-lernen/uebungen-und-loesungen/

 

Ihr sehr oben ein Foto von einem Raum mit einer Leinwand. Die Meta-Daten findet ihr so: Auf das Bild klicken und es damit vergrößern. Rechtsklick. Grafik-Infos anzeigen lassen. Dort klickt ihr auf die untere url. Danach könnt ihr sie darunter im grauen Feld kopieren und bei http://exif.regex.info in das Suchfeld eingeben. Wenn ihr bestätigt habt, dass ihr keine Roboter seid, könnt ihr auf View Data klicken – und erfahrt nun eine Menge über das Bild. Aufgabe: Findet heraus, ob die Angaben stimmen, oder ob sie manipuliert worden sind. (Lösung unten).

 

 Das gleiche macht nun bitte mit dem dritten Bild mit den Händen einer Braut und beantwortet die Fragen: Wen hat sie wann geheiratet. Und vor allem: Wie heißt sie? (Lösung unten)

 

Noch etwas anspruchsvoller ist die nächste Aufgabe: Wo genau wurde das Bild mit den Mainzelmännchen gemacht (Ort/Etage)? Geht so vor wie oben. Da ihr die Etage herausfinden wollt, ist die Höhe des Ortes über dem Meeresspiegel wichtig. Erst von dieser Höhe an kann das Gebäude beginnen. Die Höhe eines Ortes findet ihr heraus, indem ihr eine Adresse eingebt bei

 

http://www.mapcoordinates.net.en.

 

Dann könnt ihr weiterrecherchieren.

 

 Die Lösungen stehen weiter unten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lösungen:

 

Bild 1: Die Koordinaten passen nicht zum Bild. Hier hat jemand manipuliert. Fake-Verdacht.

 

Bild 2: Marit Keuchel. Sie hat Stefan Keuchel am 23.8.08 geheiratet, in Hamburg auf dem Pinnasberg.

 

Bild 3: Aufgenommen in 61 Metern Höhe in der Trierer Straße in Berlin. Die Straße liegt 52 Meter Meter über dem Meeresspiegel. Im Gebäude hat die Kamera also in 9 Metern Höhe  geklickt. Berücksichtigen muss man hier, dass GPS-Daten unterschiedlich genau sind. In diesem Beispiel liegt der tatsächliche Aufnahmeort circa 10 Meter neben dem angezeigten und auch die Höhe stimmt nur ungefähr, so dass man nicht ganz sicher sein kann, ob das Bild im zweiten oder dritten Stock aufgenommen wurde.

 

Warum ist das interessant, warum kann es wichtig sein, Fotos so zu checken?

Dazu zwei Beispiele:

 

1. Der Immam Izzedin Elzir aus Florenz hat am 17. August 2016 folgendes Bild über Facebook gepostet (https://www.facebook.com/profile.php?id=100012340083488)

 

Der Imam stellte das Bild ohne Kommentar auf seine Seite. Zu jener Zeit tobte eine Debatte über ein Burka-Verbot. Und dieses Bild – für den arglosen Betrachter scheinbar im politischen Zusammenhang aufgenommen – legte die Frage nahe: Wenn Nonnen sich auch so verhüllen, wie kann dann ein Burkaverbot sinnvoll sein? Die Recherche eines NDR-Journalisten ergab dagegen, dass das Foto bereits im Sommer 2014 gemacht worden war, in einem ganz anderen Zusammenhang. Von einem bayerischen Fotografen, der die Lebensfreude von Nonnen festhalten wollte. Sowohl der nahegelegte inhaltliche als auch der zeitliche Zusammenhang sind falsch.

 

2. Das Foto aus dem AfD-Wahlkampf: 
Das Bild kann man in die Rückwärtssuche der Google-Bildersuche eingeben und sieht, dass dieses Bild auch ohne den Antifa-Schriftzug auf dem Rücken des Demonstranten existiert. Wenn man etwas länger schaut, lässt sich das Foto auch einordnen: Es wurde bei Demonstrationen in Griechenland aufgenommen und somit von der AfD komplett aus dem Kontext gerissen.


 

 

Mit diesen Tools und dem geschilderten Vorgehen sind Fake News relativ leicht zu entlarven. Wichtigster Ausgangspunkt dafür ist stets eine kritische Grundhaltung gegenüber allen sensationellen oder emotionalisierenden Informationen.

 

 

 

BJS Berliner Journalistenschule gUG, 2017